Rettung der Grundschule Hasenthal
Bürgerinitiative Hasenthal

Bürgerbeauftragter Thüringen

An den

Bürgerbeauftragten des Freistaats Thüringen

Herrn Dr. Kurt Herzberg

Jürgen-Fuchs-Str. 1

99096 Erfurt

 

Datum: 19.12.2013

 

Aktenzeichen BE-633/13 – Bürgeranliegen, telefonisch vorgetragen von Ines Bader bei Frau Reinhardt am 03.12.2013

Hier: Grundschule Hasenthal, Freizugspläne und versuchte Lösungen seit 2012

 

Sehr geehrter Herr Dr. Herzberg,

Oberland am Rennsteig ist ein Gemeindeverband im Landkreis Sonneberg (Südthüringen). Hasenthal, Standort der Grundschule Hasenthal, ist ein Ortsteil innerhalb dieses Gemeindeverbandes. Bevor das große Schulsterben begann, sah die Schulsituation aus wie auf dem Beiblatt 1, das Sie vor den Anhängen als Grafik sehen. Nun ist von allen ländlichen Schulstandorten nur noch Hasenthal übrig.

Eine Schließung dieser einzigen Grundschule ist aus mehreren Gründen Wahnsinn:

 1.      Alle verfügbaren Ausweichmöglichkeiten zur Beschulung liegen im Abstand von mindestens 11 bis 23 Kilometern, bei winterlicher Witterung auf Ausweichstrecken bei höchstens 35 Kilometern. Eine Fahrzeit von 30 Minuten wird auf keiner Strecke unterschritten. Fahrtzeiten von 45 Minuten werden die Regel. Auf Ausweichstrecken ist mit mehr als einer Stunde Fahrtzeit für Sechs- bis Zehnjährige zu rechnen. Alle Strecken sind in schlechtem Bauzustand, schlecht bis nicht gesichert und – besonders im Winter – als unfallträchtig bekannt.

2.      Das Schülergefüge der derzeitigen Grundschul-Konstellation zerfällt komplett. Denn die Schulen, für die das Schulverwaltungsamt Sonneberg die Ersatzbeschulung vorzieht, stehen selbst auf der »Abschussliste«, stehen also vielleicht für 1, höchstens 2 Jahre zur Verfügung. Nicht überall ist ein gemeinsamer Unterricht wie bisher möglich. Kinderfreundschaften zerbrechen in großem Stil bei einem Freizug. Durch den unglaublich langen Schultag zerbricht auch der Bezug zur Familie. Eine Entsozialisierung ist nicht meine »Unkerei«, sondern statistisch nachvollziehbar.

3.      Die Lernbedingungen für die betroffenen Grundschüler verschlechtern sich erheblich. Es gibt ebenfalls hierzu Statistiken, die belegen, dass eine Fahrtzeit von nur 20 Minuten bereits eine Verminderung der Lernleistung von 10 % verursacht. Sollte die Bildungspolitik in Thüringen diesen Fakt wirklich vernachlässigen wollen oder billigend in Kauf nehmen? Wir Eltern haben kaum Möglichkeiten, unsere Kinder angesichts eines solchen Szenarios außerschulisch zu fördern, zum Beispiel durch Vereinsleben. Erstens liegen mögliche Fördermöglichkeiten gar nicht am Fahrtweg, zweitens müssen wir unseren Kindern nach einer solchen täglichen Tortur unbedingt Luft zum Entspannen lassen. Drittens beginnen Vereinsaktivitäten zu nachmittäglichen Zeiten, während derer unsere Kinder noch im Bus sitzen oder auf diesen warten. Sie alle werden also beim Freizug der Grundschule Hasenthal bildungspolitisch benachteiligt.

4.      Der Gewinn, der dem möglichen Freizug der Grundschule Hasenthal gegenübersteht, macht überhaupt keinen Sinn, nicht einmal finanziell. Frau Landrätin Zitzmann bezifferte die zugewiesenen »investiven Kosten pro Kind« seitens des Freistaats Thüringen für 2013 auf 55 Euro. Das ergibt bei 46 Grundschülern im Schuljahr 2013/14 an der Grundschule Hasenthal gerade mal eine Ersparnis von 2.530 Euro. Damit repariert niemand irgendwo irgendetwas, nicht einmal eine Heizung! Ganz im Gegenteil. Allein die anstehenden Fahrtkosten übersteigen diesen Betrag in nur 3 Monaten. Sprich: Um noch mehr zu sparen, müsste das Schulverwaltungsamt Sonneberg weitere Schulen schließen – meiner Meinung nach ein Teufelskreis!

5.      Die Schließungsfolgen sind nicht nur für unsere Kinder drastisch. Genau heute beschließt Erfurt wahrscheinlich den Zuschlag der Gemeinde Oberland am Rennsteig als künftigen Ortsteil zur Stadt Sonneberg. Derzeit gibt es in weitem Umkreis von Oberland, noch drastischer Hasenthal, keinerlei kulturelles oder soziales Zentrum. Genau genommen hat Hasenthal momentan außer der Schule folgende »Highlights« zu bieten: 1 Briefkasten in der Ortsmitte, 1 Friedhof mit Kapelle. Der Freizug der Grundschule Hasenthal angesichts der Eingemeindung und des geringen Interesses unserer künftigen Bürgermeisterin (Sonneberg, Frau Sibylle Abel) am Oberland bedeutet das komplette Aus für die ganze Region. Die sozialen Folgen, die ein solches inszeniertes Landsterben hat, sind an fünf Fingern abzuzählen. Ich kann das gerne noch ausführlicher darlegen, aber ich glaube, dass dies in diesem Anschreiben noch nicht nötig ist.

Doch ich wende mich nicht an Sie, Herr Dr. Herzberg, um mich nur zu beklagen. Es gibt nämlich vernünftige Ansätze, Ideen und einen ganzen Pulk von Menschen, die alles tun werden (auch finanziell), um die Grundschule Hasenthal zu erhalten, zu verbessern und in wenigen Jahren in einen zeitgemäßen, effizienten Bauzustand zu versetzen. Der Förderverein der Grundschule, die Bürgerinitiative Hasenthal und die hiesige Wirtschaft sind zu tatkräftigem Engagement bereit, um in Eigenleistung und in spendenbereiter Partnerschaft mit ansässigen Handwerksbetrieben wichtige Mängelbeseitigungen vorzunehmen. Ein Sanierungskonzept wird aus der Grundschule Hasenthal keinen Palast zaubern, aber in wenigen Jahren einen modernen, kindersicheren und bildungswerten Zustand herstellen. All dies mangelt einzig am Entgegenkommen des Schulverwaltungsamtes Sonneberg.

Bitte, falls Sie in den Unterlagen irgendeinen Ansatz finden, der das Desaster abwenden und unsere Not lindern kann, helfen Sie uns! Wir verlieren mit der Grundschule Hasenthal ALLES, und niemand gewinnt dabei irgendetwas Nennenswertes. Wenn schon eingespart werden sollte, dann könnten das doch auch die amtlichen Hürden sein, denen wir seit 2012 fruchtlos gegenüber stehen und sitzen?

Ich danke Ihnen im Namen aller Betroffenen sehr, dass Sie sich unseres Anliegens annehmen und stehe Ihnen jederzeit für Auskünfte und informativen Austausch zur Verfügung.


Mit freundlichen Grüßen

 
Ines Bader